Das Schloss Schönhausen

Das Schloss Schönhausen

1662 erwarb Gräfin Sophie Theodore zu Dohna-Schlobitten Ländereien in Pankow und Niederschönhausen um dort ein Herrenhaus im holländischen Stil zu errichten. Nachdem Kurfürst Friedrich III von Brandenburg 1691 die Anlage mit den Ländereien gekauft hatte, wurde das inzwischen zum Barockschloss umgebaute Herrenhaus 1704 um zwei eingeschossige Flügelbauten erweitert. Sein Sohn, Friedrich Wilhelm I, nutzt das Schloss kaum, es begann zu verwahrlosen. König Friedrich II schenkte Schönhausen unmittelbar nach seiner Thronbesteigung 1740 seiner Frau Elisabeth Christine. Die Königin bewohnte die Residenz bis zu ihrem Tod 1797 jeden Sommer, danach verlor Schloss Schönhausen wieder seine Bedeutung. Circa Mitte des neunzehnten Jahrhunderts verkam die Anlage endgültig zum Möbel- und Gemäldelager.

Berlin, Schloß Niederschönhausen, Treppenhaus

Berlin, Schloß Niederschönhausen, Treppenhaus

Nach Auflösung der Monarchie gelangte Schönhausen 1920 in preußischen Staatsbesitz. 1935, während der nationalsozialistischen Herrschaft, erfolgte eine radikale Modernisierung. Als die sowjetische Militärverwaltung Schönhausen beschlagnahmte und es für die Öffentlichkeit sperrte, entstand erst ein Offizierskasino in den Räumen, danach eine Schule sowie ein Internat. 1949, nach Gründung der DDR, kam Schloss Schönhausen unter DDR-Verwaltung und war bis 1960 der Amtssitz des Präsidenten. Schönhausen diente nun der Selbstdarstellung der DDR als Kulisse, in der wichtige Staatsmänner empfangen wurden. Ab 1964 beherbergte das Schloss den Staatsrat, danach bekam es die Funktion eines Gästehauses und erhielt den Namen Schloss Niederschönhausen. Immer wieder umgebaut verlor die Anlage bis in die achtziger Jahre mehr und mehr ihre historische Substanz, das aus dem achtzehnten Jahrhundert stammende Kastellanhaus wurde als Letztes 1980 abgerissen.

Nach der Wiedervereinigung übergab das Bundesvermögensamt 1991 das Schloss dem Land Berlin, das es 1997 zum Verkauf anbot. 2005 gelangte die Anlage unter den Schutz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Mit der Hilfe diverser Fördermittel, Stiftungen und Spenden konnte Schönhausen saniert werden und 2009 neu eröffnet. Im Erdgeschoss befinden sich nun wieder einige Räume im Originalzustand, ausgestattet mit Möbeln, Paneelen sowie Spiegelrahmen und Kaminen aus der Zeit Königin Elisabeth Christines. Der Festsaal, der als Einziger in Berlin ein komplett erhaltenes Rokoko-Interieur besitzt, wird für Empfänge, Konzerte und Lesungen genutzt. Das erste Obergeschoss zeigt Repräsentationsräume der DDR-Zeit, wie das Arbeitszimmer des ersten Präsidenten Wilhelm Pieck sowie die Staatsgästeappartements. In den restlichen Räumen kann der Besucher eine große Zahl von Kunstwerken, Möbeln sowie Gegenstände des Kunsthandwerks der Familie des Fürsten Alexander zu Dohna aus Schloss Schlobitten bewundern, ein einzigartiger Querschnitt durch drei Jahrhunderte preußischer Adelskultur. Interessant ist ebenfalls die Bau- und Rekonstruktionsgeschichte des Schlosses, die im zweiten Obergeschoss untergebracht wurde. In den Nebengebäuden sind weitere Ausstellungen zu sehen, die Gartenanlage erhielt das Aussehen wie während der DDR-Nutzung in den fünfziger Jahren. Durch die Restaurierung in Verbindung mit den Ausstellungen gelang es der Stiftung, dem Besucher kontrastreich und spannend dreihundert Jahre preußischer Geschichte zu präsentieren. Schloss Schönhausen erfüllt wieder seinen Zweck als Repräsentationsgebäude, wenn auch unter anderen Aspekten.