Der grüne Bezirk

Der grüne Bezirk

Pankow war früher ein Dorf von den Toren der Stadt und ein beliebtes Ausflugsziel, in dessen Gartenlokalen Familien Kaffee kochen konnten und sich Bolle trotz diverser Missgeschicke immer wieder „janz köstlich“ amüsierte. Von der ländlichen Vergangenheit des Bezirks zeugt die heutige Breite Straße, die immer noch den Schnitt des ehemaligen Dorfangers hat. Seit der Gründerzeit hat sich Pankow zu einer beliebten, stellenweise auch recht dicht bebauten Wohngegend entwickelt. Die Florastraße und ihre Seitenstraßen sind heute ein freundliches Klein-Prenzlauer Berg für junge Familien. Lückenbauten und neue Reihenhaussiedlungen schaffen zusätzlichen Wohnraum auf Kosten grüner Brachen und Kleingartenanlagen. Trotzdem bleibt Pankow ein grüner, durch mehrere Parks und zahlreiche Gartensiedlungen aufgelockerter Bezirk.

Der Bürgerpark – Wilhelm Kuhrs Vermächtnis
Fast im Zentrum Alt-Pankows, in unmittelbarer Nähe des Pankower Rathauses, befindet sich der Bürgerpark. Auf seinem Gelände stand im frühen 19. Jahrhundert eine Papiermühle. Um 1850 wurde der Grund von einem Zeitungsverleger aufgekauft, der hier für sich und seine Familie einen Landsitz einrichtete. Den Park gestaltete er als naturnahen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild. Das prunkvolle Eingangstor ist bis heute erhalten. Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich der Pankower Bürgermeister Wilhelm Kuhr für den Erwerb des Parks durch die Gemeinde Pankow ein. So wurde das Gebiet vermutlich vor der Parzellierung und Bebauung durch Grundstücksspekulanten bewahrt. 1907 wurde der Park für die Bürger freigegeben und erhielt seinen demokratischen Namen.

Der von weitläufigen Wiesenflächen, schönen alten Bäumen und dem Flüsschen Panke geprägte Park lädt auch heute zum Spazieren und Sonnen ein. Ein kleines Café hat ganzjährig geöffnet. Im Frühling sind die Wiesen von Frühblühern übersät. Der Musikpavillon im Rosengarten ist mitunter Schauplatz von Konzerten, und ein kleiner Kiosk beherbergt in den warmen Monaten die Park-Bibliothek. Es gibt einen großen Springbrunnen, ein Freigehege mit Bergziegen und verschiedene Volieren mit Pfauen, Fasanen und anderem Geflügel. Im Winter wird auf den kleinen Böschungen an der der Wilhelm Kuhr-Straße zugewandten Parkseite eifrig gerodelt. Ein großer Spielplatz und der auf dem ehemaligen Mauerstreifen gelegene Kinderbauernhof sind beliebte Ziele für Familien mit Kindern.

Die Schönholzer Heide – geschichtsträchtiger Wald in der Stadt

Ehrenmal Schönholzer Heide

Sowjetisches Ehrenmal in der Schönholzer Heide

Der Volkspark Schönholzer Heide liegt in Niederschönhausen, vom Bürgerpark durch den Friedhof Pankow III getrennt. Das Parkgelände gehörte einst zu einem ausgedehnten Waldgebiet, das bis zur Jungfernheide reichte. Um 1750 richtete Königin Elisabeth Christine, die Gemahlin von Friedrich II, hier das Gut Schönholz ein. Eine Maulbeerbaumplantage, ein schlossartiges Gutshaus und einige Kolonistenhäuser am Tuchmacherweg entstanden in den Jahren bis 1850. Später wurde die Heide ein beliebtes Ausflugsziel. Das Gutshaus beherbergte für einige Jahre eine Mädchenschule, in den 1920er Jahren ein Filmstudio. Im 2. Weltkrieg wurde es zerstört. Ein von der Berliner Schützengilde 1884 errichtetes Schützenhaus auf dem Gutsgelände ist heute noch erhalten.

Landgut, Lunapark, Ausflugsgaststätten, Maifeiern, Zwangsarbeiterlager, Friedhof für Bombenopfer, Freilichtbühne, Mülldeponie: Die Schönholzer Heide hat in den letzten beiden Jahrhunderten vieles gesehen. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, findet umgestürzte Säulen, einen Bunkereingang, begrünte Deponiehügel, zugewachsene Grabstellen und andere Spuren der Vergangenheit. Aber auch wer nicht als Hobby-Historiker unterwegs ist, sondern einfach nur bei einem Spaziergang seinen Gedanken nachhängen oder mit Familie und Freunden entspannt auf der Wiese picknicken will, ist in Pankows Stadtwald gut aufgehoben.