Der Weiße See, Erholung mitten in der Stadt

Der Weiße See, Erholung mitten in der Stadt

Der Weiße See, gelegen in Weißensee im Berliner Norden, ist alles andere als ein Ententeich. Mit einer maximalen Tiefe von 9,7 Metern gehört der hübsche See mit der großen Fontäne in der Mitte zu den tiefsten Gewässern Berlins. Der Weiße See hat nicht nur Wellenplätschern zu bieten: der Ruder- und Tretbootverleih, das sogar ganzjährig geöffnete Strandbad, die beliebte Kinderplansche mit den Wasser speienden Seelöwen, das Freiluftkino und das Gehege mit den zutraulichen Rehen machen den See für Groß und Klein zum potentiellen Lieblingsort. Die Uferpromenade wird von Joggern und Spaziergängern fleißig genutzt, und die kleine Parklandschaft mit ihren Wiesen, Rabatten und dem alten Baumbestand zieht sommers wie winters Erholungssuchende an. Das Besondere am Weißen See: Er liegt nicht irgendwo am Stadtrand, sondern in einem dicht bebauten, lebendigen Wohnbezirk, der mit der Straßenbahn zum Beispiel auch von Prenzlauer Berg aus in wenigen Minuten erreicht ist.

Von der Amüsiermeile im Grünen …

Schloss Weißensee

Schloss Weißensee um 1860

Im 19. Jahrhundert war Weißensee ein Gut vor den Toren Berlins. Gutshaus und Gutsgarten am See waren damals in ausgedehnte Mischwälder eingebettet. Gewinne aus Landwirtschaft und Schnapsbrennerei machten es möglich: 1859 wurde das bescheidene Gutshaus durch ein elegantes, weitläufiges Herrenhaus ersetzt, das vom Volksmund Schloss Weißensee getauft wurde. Herrenhaus, Park und Ländereien wurden 1872 parzelliert, verkauft und das Schloss bald darauf als Ausflugslokal verpachtet. Das sogenannte „Welt-Etablissement Schloss Weißensee“ entwickelte sich ab 1885 zu einem Magnet für amüsierwillige Berliner. Mit der Pferdebahn fuhr man damals nach Weißensee, um sich auf dem kleinen Rummel oder der riesigen Seeterasse, in zwei Tanzsälen und mehreren Bierlokalen zünftig zu vergnügen.

… zum innerstädtischen Erholungsort
1908 kaufte die inzwischen stark gewachsene Gemeinde Weißensee Schloss, Park und angrenzende Seegrundstücke und baute das Gelände um den See zu einem Volkspark mit Schloss-Restaurant, Badeanstalt, Liegewiesen und Spielplätzen aus. Das Schloss brannte 1919 vollständig aus. Sein einstiger Standort wird heute durch eine Baumreihe oberhalb der Seeterrassen markiert.

Aus den 1950er Jahren stammen der Musikpavillon und die Freilichtbühne. Die Schwimmfontäne im See sprudelt seit den 1960er Jahren. Die alte Fontänenanlage musste allerdings 2009 erneuert werden. 1976 wurde ein kleiner Neubau fertiggestellt, der das mittlerweile abgerissene sogenannte Milchhäuschen am Westufer des Sees ersetzte. Bei dem historischen Fachwerkgebäude handelte es sich ursprünglich um ein privates Sommerhaus, das später eine Milchverkaufsstelle und schließlich ein Café beherbergte. Auch der Neubau lädt nach einer längeren Auszeit heute wieder Gäste zum Kaffetrinken auf der Terrasse, zu einem guten Abendessen oder einem leckeren Brunchbuffet ein. Im Winter werden hier Heißgetränke an durchgefrorene Schlittschuhläufer verkauft. Ein Besuch am Weißen See lohnt also wirklich zu jeder Jahreszeit.